NUTRI- vs. NOVA-Konzeption



Danone gibt selbst zu, den Zucker- und Fettgehalt des Kinderquarks „Fruchtzwerge“ seit der Einführung im Jahr 1981 signifikant reduziert zu haben – zuletzt im Jahr 2018. Insgesamt schreibt Danone, dass verglichen mit 1981 die Fruchtzwerge seitdem 37 Prozent weniger Zucker, 68 Prozent weniger Fett und 44 Prozent weniger Energie (Kalorien) haben. Ob die letzte Reduktion etwas mit der Einführung des Nutri-Scores in Frankreich 2017 zu tun hatte, darüber kann nur spekuliert werden. Es gibt Quellen, die dies behaupten. Klar ist: Die Fruchtzwerge haben den zweitbesten Nutri-Score B.[1] Wie dieser vor der letzten Reduktion von Zucker ausgefallen wäre, ist nicht näher bekannt. Der NOVA-Score beträgt #4 – also der schlechteste. Das kommt nicht von ungefähr: Die Fruchtzwerge gelten in der NOVA-Klassifikation als hochverarbeitetes Lebensmittel. Aromen, färbende Konzentrate und zugesetztes Vitamin D sind eben alles andere als naturnah.


Ziemlich abstrus wird es bei einem anderen Beispiel: Milchreis im Becher:


Zum Vergleich habe ich unterschiedliche Sorten auf openfoodfacts.org herausgesucht und miteinander verglichen. Außerdem habe ich selbst nachgerechnet, um zu prüfen, ob die Nutri-Score-Angaben stimmen. Das erstaunliche Ergebnis:

  • Der Milchreis „Classic“ von „Landfein“ schneidet schlechter ab als der Schoko-Milchreis von „ja!“.
  • Dabei hat der Classic-Reis weniger Zutaten und keine Schokolade. Trotzdem kommt er am Ende auf einen Nutri-Score von C, während der Schoko-Milchreis ein B erreicht.

Wie meine eigene Berechnung zeigt, liegt das wohl daran, dass in dem Classic-Milchreis mehr von den als ungünstig gewerteten Zutaten Salz und gesättigte Fettsäuren stecken. Klar: Es wird ja auch ausschließlich Vollmilch verarbeitet, während im ja!-Milchreis Vollmilch und Buttermilch steckt. Vollmilch hat etwa 4 Gramm Fett/100 Gramm, Buttermilch nur 0,5 Gramm. Weniger Fett, weniger gesättigte Fettsäuren. Ein Schelm, wer glaubt, dass hier getrickst wird …

Dafür hat der Classic-Reis viel weniger Zucker pro 100 Gramm (11,9 Gramm vs. 10 Gramm) und ein wenig mehr Eiweiß (3,3 Gramm vs. 3,5 Gramm). Doch das reicht offenbar nicht, um gegen den Schoko-Milchreis anzukommen.

Es geht sogar noch weiter auseinander: Es gibt Produkte mit dem besten Nutri-Score und der schlechtesten NOVA-Klasse. Beispiel: Kartoffelpüree aus gekochten Kartoffeln von Pfanni. Das „Trockenprodukt“, wie es schon auf der Verpackung heißt, hat mit der rundlichen Knolle nicht mehr viel gemein. Daher gilt auch das Kartoffelpüree als hochverarbeitetes Industrieprodukt. Außerdem sind Aromen enthalten. Von den reinen Nährstoffen her ist das Kartoffelpüree dagegen nach der Nutri-Score-Bewertung so günstig, dass es ein A bekommt. Kein Wunder: Kartoffeln enthalten wenig Kalorien und ebenfalls wenig der sich ungünstig auswirkenden Zutaten Zucker, Fett und Salz – wobei Salz sogar noch extra dazugegeben wird.

Da machen wir unsere Sättigungsbeilage, das Kartoffelpüree bzw. unseren Kartoffelstampf (was den Unterschied ausmacht, erfährst du in unseren Rezepten) doch lieber selbst! Wir nennen unser Gericht „Stampfkartoffeln“, da es etwas weniger fein als Püree ist. Stampfkartoffeln sind nicht schwieriger zuzubereiten als ein Fertigpüree. Doch es schmeckt viel besser, und das ganz ohne Aromen! Wir verwenden neben qualitativ hochwertigen Kartoffeln aus der eigenen Region eine Kombination aus Milch und Butter.

Tipp: Wer etwas Aroma haben möchte, kann eine ausgekratzte Vanilleschote in die Kartoffeln einarbeiten.

Ein weiteres Beispiel, bei dem sich jeder fragen kann, ob der Nutri-Score wirklich zu einer gesünderen Ernährung beiträgt: Vegetarischer Erbseneintopf von Erasco.[3] Laut Zutatenliste enthält die 800-Gramm-Dose 46 Prozent ­Erbsen, 7 Prozent Gemüse (Möhren, Porree, Sellerie) und 4,1 Prozent Kartoffeln. Knapp 60 Prozent Gemüse – das klingt zunächst ziemlich gesund. Auch der umstrittene Hefeextrakt, Aroma und zwei unterschiedliche Zucker (Zucker und Dextrose) sind in der Zutatenliste zu finden. Das allein zeigt, dass dieser Eintopf alles andere als naturnah und gesund ist. Oder wer würde sich schon Traubenzucker (Dextrose) und Aroma in den selbstgemachten Eintopf streuen? Davon abgesehen: Wie viele Vitamine kann eine Dose, die durch starkes Erhitzen haltbar gemacht worden ist, noch enthalten? Da trägt das Gemüse höchstens noch über die Ballaststoffe ein wenig zur Gesundheit bei.

Trotzdem: Der Erbseneintopf hat laut Nutri-Score eine günstige Nährwertzusammensetzung und deshalb den besten Score von A. Bei NOVA ist die Sache eindeutig: Ein Doseneintopf ist ein hochverarbeitetes Lebensmittel und hat mit naturnaher Ernährung nichts zu tun. Daher hat er nur die schlechteste Kategorie #4 „verdient“.



[1] https://www.fruchtzwerge.de/fruchtzwerge/nutri-score.html

[2] Open Food Facts – Deutschland https://de.openfoodfacts.org/

[3] https://world-de.openfoodfacts.org/produkt/4037300104004/vegetarischer-erbsen-eintopf-erasco

2 Gedanken zu „NUTRI- vs. NOVA-Konzeption

  1. Pingback: NOVA-Ernährungsprinzip - VikAlex®VikAlex®

  2. Pingback: Einkäufe planen (Müllreduktion) - VikAlex®VikAlex®

Kommentar verfassen