Hof Ebeling

Eindrücke vom „Landwirtschaftsbetrieb Bernd Ebeling“ im Sommer 2021

Wir, das sind mein fünfjähriger Sohn Ben und ich waren mal wieder bei unserem regionalen Landwirtschaftsbetrieb.

Seitdem wir aus der Großstadt weggezogen sind, ist unserer Kleinstadt unsere neue Heimat geworden. Wir haben uns bewusst für eine Kleinstadt entscheiden, da es einfach ruhiger wie in einer Großstadt und die Luft deutlich besser zu atmen ist. Schlechtweg, das Leben auf dem Land ist gesünder für Körper und Geist. Seitdem wir nun in unserer Kleinstadt mit Dorfcharakter leben, kaufen wir unsere Kartoffeln auch direkt beim Erzeuger. Und wir brauchen viele Kartoffeln. Monatlich essen wir im Durchschnitt ca. 15kg Kartoffeln.

Dadurch, dass unser Nachwuchs auch ganz stolz immer die Kartoffeln beim „Hofladen Ebeling“ kauft und auch verstanden hat, welche mutmaßlichen Vorteile es bringt direkt beim Erzeuger zu kaufen, wollten wir uns den Hof mal ein wenig genauer anschauen. Nach einer kurzen Recherche der Rufnummer konnten wir den Landwirt direkt anrufen. Nach einem kurzen Telefonat durften wir schlussendlich auch vorbeikommen. Nachdem wir ein wenig von uns und unserer Lebensweise erzählt haben hat uns Hr. Ebeling ein wenig den Hof gezeigt. Neben vieler Maschinen und einiger Scheunen konnten wir dann sogar auch einen der Kartoffelacker sehen die direkt zum Hof gehören.

Was konnten wir alles erfahren?

  1. In unserer Kleinstadt gab es mal 15 Volllandwirte, das war vor 40 Jahren. Als Volllandwirt werden neben Kartoffeln, auch Mais, Rüben und Weizen angebaut – Dienstleistungen die mit den großen Geräten erbracht werden können, kommen noch hinzu. Mittlerweile gibt es in unserer Kleinstadt nur noch zwei Volllandwirte. Das ist aus unserer Perspektive viel zu wenig. Unserer Meinung nach trifft auch hier der Fachkräftemangel vollkommen zu, von dem immer gesprochen wird. Die meisten Menschen haben eben heutzutage wenig Lust von morgen bis abends während der Erntezeit draußen auf dem Acker zu sein.
  2. Den Hof, bzw. den Familienbetrieb auf dem wir heute waren gibt es bereits seit dem 14. Jahrhundert du ist somit fast 800 Jahre alt. Über die Jahre ist die Anbaufläche immer weiter geschrumpft. Derzeit werden 80 Ha bewirtschaftet. Ein teil davon wird gepachtet und der andere Teil ist Eigentum. Die Nachfrage nach den Kartoffeln geht generationsbedingt leider zurück. Dabei ist die Kartoffel so vielseitig einsetzbar und schmeckt eigentlich fast immer zu fast allem.
  3. Bzgl. der Kartoffelqualität konnten wir etwas ganz Interessanten erfahren. Unsere Kartoffeln, die super lecker sind bekommen nicht einmal das Minimum vom Dünger wie er erlaubt ist. Das bedeutet, dass der Landwirt nur wenig düngt, wodurch die Kartoffeln ihren einzigartigen Geschmack haben. Wir haben darüber hinaus erfahren wie man erkennen kann ob die Kartoffeln überdüngt sind, unzwar sind die Kartoffeln überdüngt, wenn beim Kochen viel Schaum entsteht, dass ist nämlich der Stickstoff der austritt.
  4. Auf Nachfragen weshalb die Kartoffeln nicht beim REWE, der einige riesige regionale Produktpalette besitzt angeboten werden haben wir ein wenig über die Praktiken erfahren. Wie mein fünfjähriger Sohn das erfahren hat, ging er gleich auf eine Boykott-Stimmung zum REWE über. Unser Sohn, wie auch wir können es nicht verstehen, weshalb nur die schönsten Kartoffeln vom REWE abgenommen werden => Kartoffeln sind Kartoffeln. Alle Kartoffeln vom selben Acker schmecken gleich, egal wie sie aussehen! Hinzu kommt noch, dass der REWE seine Gewinnspanne (Marge) noch auf die Kartoffeln setzt. Die Marge ist übrigens auch der Grund, weshalb die Kartoffeln im Jahresdurchschnitt direkt beim Landwirt immer günstiger ist.
  5. Das Thema der Landwirtschaftsförderung konnten wir auch noch erörtern. Dass grundsätzlich die heimische Landwirtschaft gefördert wird, ist vollkommen okay und auch richtig so, doch leider werden die Förderprogramme so aufgesetzt, dass die Großindustrie gefördert wird. Derzeit wir eine ziemlich gute Düngermaschine gefördert, die lohnt sich finanziell gesehen jedoch nicht für die kleinen Landwirtschaftsbetriebe, sondern eher für die Industrie.

Im Übrigen haben wir im Lager auch eine Menge frisch geernteten Weizen sehen können – ein idealer Kinderspielplatz. Unglaublich wieviel Weizen zuhause noch in den Hosentaschen war.

Nebenbei gab es noch etwas aus der Historie, dass wir erfahren durfte. In unser (Klein-)stadtmitte hatte der Landwirtschaftsbetrieb vor ca. 20 Jahren noch einen großen Stall mit Rindern. Die Rinder gibt es schon lange nicht mehr – wie sich die Zeiten eben ändern. Damals, so wurde uns berichtet gab es noch einen Fleischer direkt gegenüber, sodass die Rinder nur einen kurzen Weg hatten. Neue Verordnungen und Vorschriften setzen zunehmen leider auch dem Fleischerhandwerk immer weiter zu, sodass hier auch immer mehr verschwinden, zu Gunsten der Großindustrien.

Die Lebensmittel- und Nahrungsgroßindustrien sind hier die Profiteure, wenn die kleinen Betriebe es immer schwieriger haben. So konnten wir noch nebenbei erfahren, dass Discounter, natürlich vollkommen mit dem Hintergrund des Profites und nicht der regionalen Qualität immer mehr Landwirtschaftsbetriebe aufkaufen.


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